1990 wurde der Club ASIATICUS e.V. von einer Gruppe Sinologen im Prenzlauer Berg, in der Schliemannstr. 18, gegründet. Der als gemeinnützig anerkannte Verein setzt sich speziell für die Förderung der Kommunikation und das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Nationen und Kulturen ein. In diesem Zusammenhang erfährt insbesondere der asiatische Kulturkreis besondere Beachtung.

Der Club ASIATICUS bietet ausländischen und insbesondere asiatischen Mitbürgern die Möglichkeit ihre kulturelle Identität zu pflegen und zu bewahren. Kurse wie Kalligraphie, Seidenmalerei, Chinesisch-Unterricht, Kochkurs oder Dia-Vorträge und Ausstellungen sind jedoch grundsätzlich für alle offen. Denn die asiatische Kultur, die häufig als fremd erfahren wird, soll durch Information und Vermittlung von traditionellen Kenntnissen auch den deutschen Besuchern näher gebracht werden. Der Club versteht sich als Mittler zwischen den unterschiedlichen Kulturen; als ein Ort, an dem ein wechselseitiger kultureller Austausch stattfindet. Besonders gut läßt sich dieser Anspruch bei gemeinsamen Feiern realisieren. Höhepunkt eines jeden Jahres ist das meist im Februar (abhängig vom Mondkalender) anstehende Nguyen-Dan-Fest, das vietnamesisch-chinesische Neujahrsfest. Traditionell wird dieses wichtige Fest im Club gefeiert, und es lockt jedes Jahr über 200 Besucher an. Der Club ASIATICUS beherbergt das ihm angegliederte Frauenprojekt VINAPHUNU, das sich der Beratung und Bildung vietnamesischer Frauen widmet. Im Juli 1996 zog der Club ASIATICUS e.V. und das Frauenprojekt in die Christburger Str. 14. Die neuen Clubräume waren in den vorderen Komplex einer Grundschule integriert und wurden von den Besuchern und Besucherinnen gut angenommen. Neben dem kulturellen Programm konnten nun auch sportliche Angebote wie z.B. Tischtennis, Federball… genutzt werden.

Nach der übergangsweisen Unterbringung in der Lychener Str. 75/77 ist der Club ASIATICUS e.V. seit 27. April 2002 im InterKULTURellen Haus in der Schönfließer Str. 7 ansässig.

Der Verein ist Mitglied des Verbandes für Interkulturelle Arbeit VIA.

Das im Club ASIATICUS e.V. angesiedelte Projekt VINAPHUNU setzt sich gezielt mit der Situation vietnamesischer Frauen in Berlin auseinander. Es geht vorrangig darum, den Besucherinnen – zum größten Teil ehemaligen Vertragsarbeiterinnen aus der damaligen DDR – Wege zur Alltagsbewältigung aufzuzeigen und integrative Hilfen anzubieten. Das vorrangige Ziel ist, die Frauen zu einem selbständigen Handeln anzuregen und die aus vielerlei Gründen aufgebaute Ängste, z.B. Isolation, Fremdheitsgefühl, Sprachnot, Rückkehrangst, Schwierigkeiten mit materiellen Existenzbedingungen usw. abzubauen.

Seit der Gründung 1991 ist VINAPHUNU für zahlreiche in Berlin lebende Vietnamesinnen ein wichtiger Ort für Beratung, Bildung und Kommunikation geworden. VINAPHUNU war und ist in seiner Angebotskombination aus Sozialberatung, Rechtsberatung, Deutschkursen sowie Handarbeits- und Kochkurs für die Zielgruppe der vietnamesischen Frauen einzigartig in Gesamtberlin. Der wichtigste Bestandteil des Projektes ist dabei die Sozialberatung. Eine festangestellte Sozialarbeiterin, selbst Vietnamesin, leistet für die hilfesuchenden Frauen Beratung und Information in allen Lebenssituationen: Arbeitsuche, Wohnungssuche, Krankenhaus, Todesfall, Schwangerschaft, Ehe – Scheidungsprobleme, Kindererziehung, Kitaplatzsuche, Aufenthaltsprobleme sowie Vor- und Nachbereitung von Behördengängen aller Art usw.

Da viele Vietnamesinnen, die VINAPHUNU aufsuchen zum großen Teil frühere DDR-Vertragsarbeiterinnen waren, lebten sie häufig in völliger Isolation und Unselbständigkeit. Besonders sie sind nun angewiesen, die deutsche Sprache und deutsche Kultur kennenzulernen und sich selbständig in der BRD-Gesellschaft zurechtzufinden. Um das Selbstvertrauen der Vietnamesinnen und sich der Öffentlichkeit zu fördern, ist das Erlernen der deutschen Sprache von größter Wichtigkeit. Hierzu bietet VINAPHUNU pro Woche zwei Deutschkurse für Anfängerinnen und Fortgeschrittene an, die von den Frauen sehr gut angenommen werden.

Ebenso gut frequentiert wird die eingerichtete Rechtsberatung mit Dolmetscher und die Freizeitangebote wie Handarbeitskurs, Lese- und Videothek, gemeinsame Reisen und Ausflüge, Tetfest usw., die zur Pflege der eigenen Identität dienen. Besonderen Zuspruch erfährt der regelmäßige Samstag-Kochkurs, dessen Besucherinnenzahl sich kontinuierlich steigerte und den Erfolg des Konzepts von VINAPHUNU beispielshaft bestätigt. Er ist ein wichtiger Frauen- und Familientreffpunkt, wo das Bedürfnis, die eigene Tradition und vietnamesische Kultur zu pflegen, verwirklicht werden kann.

Leiterin des Projektes ist Frau Hoai Thu, die 1999 mit dem Frauenpreis der Stadt Berlin und 2001 mit der Verdienstmedaille der Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet wurde.

VINAPHUNU wird von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen finanziell unterstützt, ohne deren Mittel das Projekt in der beschriebenen Form nicht existieren könnte.

 

Holger Förster –  Geschäftführer von VIA Berlin/Brandenburg

Hoai Thu Loos- Leiterin VINAPHUNU

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