Vor über 20 Jahren traf ich in der Schliemannstr.18 Thu und die Gruppe der zukünftigen Mitglieder des Vereins Vinaphunu.

Das Treffen war für mich wie der Besuch einer großen Familie.

Damals waren die Frauen, Vertragsarbeiterinnen der ehemaligen DDR, noch unsicher, was mit ihnen geschehen würde. Ihr Aufenthaltsstatus war nicht mehr sicher, nachdem ihre Arbeitsverträge mit den Firmen, bei denen sie angestellt waren, keine Gültigkeit mehr hatten, weil die Firmen nicht mehr existierten. Es wurde ihnen ein Angebot über eine Abfindung und ein Einwegflugticket in die Heimat unterbreitet.

Sie entschieden, in Deutschland zu bleiben, weil sie sich hier eine bessere Perspektive erhofften.

Trotz der unsicheren Zukunft waren alle Frauen sehr fröhlich und zuversichtlich.

Inzwischen sind die Frauen in Deutschland integriert. Sie durften sogar ihre Familien nachkommen lassen. Alle sprechen Deutsch und haben eine Arbeit, von der sie sich und ihre Familien ernähren können. Ihren Kindern gelingen die Ausbildungen in Schulen und auf Universitäten dem Erziehungswissenschaftler Olaf Beuchling zufolge noch besser als ihren deutschen Nachbarn.

Obwohl in den letzten 20 Jahren die Finanzierung des Vereins Vinaphunu hin und wieder ins Schwanken geriet, ist es dank Thus Engagement und Kompetenz gelungen, den Zusammenbruch des Vereins zu verhindern.

Thu ist die Gründerin und die Säule dieses Vereins. Sie hat den Verein gestaltet und ihm das heutige Gesicht verliehen. Dank ihr ist die Integration der Frauen erfolgreich verlaufen.

Hier können Kinder Vietnamesischkurse besuchen, um ihre Verbindung zur Herkunft zu bewahren.

Sie arbeitet oft bis zur Erschöpfung.

Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Verein so lange die Rationalisierung des Senats überlebt hat. Viele andere haben sich in den letzten 20 Jahren aufgelöst.

Die Frauen und ihre Familien treffen sich nach wie vor in den Räumen des Vereins Vinaphunu, um sich auszutauschen und um traditionelle Feiern gemeinsam zu gestalten.

Menschen entwickeln sich in einer fremden Gesellschaft nur, wenn sie die eigene Kultur, Tradition und Sprache weiter pflegen dürfen. Sie sind nur aufnahmefähig für das Fremde, wenn sie das Eigene bewahren können. Die Kinder müssen die Kultur, Tradition und Sprache ihrer Eltern erfahren, damit sie sich ihrer Herkunft bewusst werden und durch diesen Weg in der Lage sind, ihre Identität und ihr Selbstbewusstsein zu finden.

In den Räumen von Vinaphunu treffen sich Vietnamesen und ihre deutschen Freunde. Nur mit beiderseitigem Respekt und gegenseitiger Akzeptanz kann eine Integration gelingen. Die Begegnungen sind immer sehr herzlich, der Austausch rege. Beide Seiten gewinnen durch diese Freundschaft.

Ich wünsche Thu längeres Bestehen des Vereins Vinaphunu und weiter gelungene Arbeit, weil das für uns alle eine Bereicherung ist.

Berlin, den 4.3.2011

Thúy Nonnemann

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