Meine Erinnerungen an VINAPHUNU sind jene ganz besonderen Art. Auch weil diese Erinnerungen verbunden sind mit einer starken Frau, die ich mit Stolz meine Tante nennen darf. Sie hat mit VINAPHUNU eine beeindruckende Kultur- und Heimstätte für Migranten aufgebaut, die dort Zuflucht und Hilfe fanden – in einer Zeit der Unruhen und Alltagsschwierigkeiten.

Es war für meine Tante und auch für viele freiwillige HelferInnen ein langer und steiniger Weg voller Tränen, Hoffnung und Angst. Und doch ist VINAPHUNU die beliebteste „Heimat“ der vietnamesischen Frauen in Berlin geworden.

20 Jahre VINAPHUNU – das sind 20 erfolgreiche Jahre Migrationsarbeit, 20 Jahre Bildung und Kulturerlebnis und vor allem 20 Jahre Erinnerungen an Reisen, Veranstaltungen, Diskussionen und Weiterbildung, die mein Leben begleitet haben.

Viele meiner Erinnerungen sind an die Zeit gebunden, als ich noch ein kleines Kind war. Ich denke daran, wie VINAPHUNU immer größer und größer wurde und an Beliebtheit gewann. Damit einher gingen viele Umzüge von einem kleinen Objekt in der Schliemannstaße zu den neuen modernen Clubräumen in der Schönfließer Straße.

Ich erinnere mich an jene Tage, als ich im Rahmen einer Tet-Fest-Veranstaltung sehr laienhaft und holprig die ersten Melodien meiner Gitarre zum Besten gegeben hatte. Und vor allem als Aymi, Nhi und ich unser vietnamesisches Ballett im „Ao Dai“ vor einem großen Publikum vorführten. Für mich war dies eine Bereicherung für mein heimatliches Verständnis der vietnamesischen Kultur, der ich auf diese Weise noch näher kam. Denn auch für eine Vietnamesin, die in Deutschland aufgewachsen ist, ist das Erlernen der eigenen Kultur unabdingbar.

Die schönste Reise in meinem Leben war die Reise mit VINAPHUNU ins temperamentvolle Spanien in 1999. Alles war für mich so wunderbar und märchenhaft – sei es das leckere Essen im Hotel, das Sangria-Trinken bis zum Umfallen, die Flamenco-Nacht und der Barcelona-Ausflug. Der Spanien-Urlaub hatte so wertvolle und besondere Eindrücke hinterlassen, dass ich noch monatelang nach diesem Urlaub unglaubliches Fernweh hatte. Und ich bin mir sicher, dass nicht nur ich diesen Urlaub in vollen Zügen genossen habe. Denn tatsächlich war es so, dass jede von uns VINAPHUNU nach dem Urlaub gute vier Kilo zugenommen hatte.

Ich bin stolz auf VINAPHUNU – geprägt durch eine herausragende Persönlichkeit – und ich bin stolz darauf, in einer Familie aufgewachsen zu sein, die Bildung, Kultur und Ethik als selbstverständlich ansieht – denn ohne diese Weltanschauung wäre ein Projekt wie VINAPHUNU nicht möglich gewesen. VINAPHUNU hat mir nicht nur die Welt gezeigt, sondern auch gelehrt, dass im Leben die Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen stets äußerste Priorität haben sollte.

Nguyễn Tố Lan

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