Nun ist es also schon 16 Jahre her, seit ich die Rechtsberatung im Club VINAPHUNU übernommen habe! Den Menschen hier fühle ich mich daher schon sehr nahe und verbunden, allen voran natürlich der überwältigend aktiven und vitalen „Frau Thu“, die immer ein offenes Ohr für ihre Landsleute hat, auch mal heftig ihre Meinung kundtut, aber sich doch Tag und Nacht kümmert und ihre eigene Gesundheit ruiniert, um anderen zu helfen. Das Schönste ist, wenn ich zur Rechtsberatung am Dienstag Abend ankomme und in der Küche gebrutzelt wird. Dann darf ich wieder leckere vietnamesische Spezialitäten kosten und bekomme köstlichen grünen Tee.

Die Themen, die den hier lebenden Vietnamesen und ihren Angehörigen auf dem Herzen liegen und zu denen sie meine Beratung suchen, sind so vielfältig wie ihre Speisen. Neben Aufenthaltsfragen, die wir zu klären versuchen, brauchen sie manchmal auch Schuldnerberatung, arbeits- und sozialrechtliche Unterstützung und natürlich auch Hilfe in Mietstreitigkeiten. So nebenbei bekomme ich von Thu und meiner langjährigen Unterstützerin, der engagierten Dolmetscherin Thu Ha Voigt Unterricht über vietnamesische Geschichte und Buddhismus, sie erzählen von Unterschieden zwischen den einzelnen Volksgruppen Vietnams, im Fernsehen läuft ab und zu eine kitschige vietnamesische Soap, und anläßlich der alljährlichen interessanten Ausstellung zum Tet-Fest erfahre ich viel über Kunst, Kunsthandwerk und Kultur Vietnams. Wahrscheinlich gibt es in Berlin keinen anderen Ort, an dem so liebevoll und fachkundig originale vietnamesische Exponate zusammengetragen und ausgestellt werden.

Der allwöchentliche Dienstagabend ist mir daher ein Ritual geworden, der mir nicht in erster Linie als Arbeit gilt, sondern auch einen Einblick in die vietnamesische Kultur und Gesellschaft gibt. Möge dieser Club noch lange lange weiterexistieren und so viele Menschen beglücken – den vietnamesischen Besuchern ein Stück Heimat in der Fremde sein, und den deutschen eine Annäherung an eine fremde, interessante Welt.

 Herzlichst, Eure RA Csilla Iványi

Berlin, Mai 2011

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