Zum zehnjährigen Jubiläum von VINAPHUNU

Als ich Thu vor mehr als zehn Jahren kennen lernte, waren wir alle eingebunden in den Kampf für ein Bleiberecht der DDR-Vertragsarbeitnehmer. Es lag uns am Herzen, das uns Mögliche dafür zu tun, dass den Menschen, die im gleichen Land wie wir gelebt und gearbeitet haben, den Weg in ein neue, wenigstens zum Teil selbstbestimmte Zukunft nicht verbaut ist.

Vor allem die jungen Frauen aus Vietnam, die nicht unausgebildet, unqualifiziert oder gar als Analphabeten sondern oft sogar Hochschulabsolventinnen in die damalige DDR kamen, waren voller Hoffnung.

Sicherlich wollten auch einige von ihnen sowohl teilweise der Enge vietnamesischer Familien oder der ihnen trotz eigener unfangreicher Bildung aufgebürdeten traditionellen Zwängen entrinnen. Vor allem aber wollten sie für ihre in Vietnam lebenden Kinder und andere Familienangehörigen einen bescheidenen Wohlstand erarbeiten,

Heute- zehn Jahre nach der Konzipierung von VINAPHUNU, können wir mit Stolz darauf zurückblicken, dass wir gemeinsam zumindest für ein kleine Gruppe von Menschen, vor allem aus Vietnam, einen Teil des damals von vielen als unmöglich Erreichbare- entgegen dem Willen vieler der Regierenden und Verantwortlichen in den Bundesministerien – erkämpft haben.

Daran hat der Verein „Club Asiaticus“, hat VINAPHUNU und vor allem seine Leiterin Frau Thu einen großen Anteil.

Den Vereinsmitgliedern, der Tatkraft seines Vorsitzenden und vieler der dem Multikulturellen Zentrum nahe stehenden Freunden ist es zu verdanken, dass es geglückt ist, wenn auch nur für viel weniger Menschen als wir erhofft hatten, eine Zukunft in Deutschland zu ermöglichen.

Voller Hoffnungen und oft mit Stolz und Begeisterung waren sie in das mit Vietnam befreundete „Bruderland“ DDR gekommen. In unserem damaligen Heimatland, in der zum Ende der DDR, am Jahrwechsel 1989/909 allein über 60000 Vietnamesen lebten, wurden sie allerdings nicht von Menschen mit Freundschaft, Solidarität oder gar Herzenswärme empfangen. Schon seit der 80iger lernten sie auch Missgunst, Neid und Rassismus kennen. Aber weder sie noch wir, konnten uns vor dem Mauerfall vorstellen, welche Ausmasse der Fremdenhass, die Aggressivität gegen andere Menschen in unserem Land immer noch annehmen kann.

Bis auf den heutigen Tag erfüllt mich dieses deutsche Erbe, die Intoleranz und der Rassismus, mit Scham und ich bin voll Bewunderung vor allem für die vietnamesischen Frauen, die die schwierige Zeit bis 1993 und dann noch mal bis 1997, der Anerkennung der DDR-Aufenthaltszeiten, durchgestanden, durchgekämpft haben.

Noch ist nicht für sie alle die Zukunft in Deutschland gesichert – erst recht nicht für die Vietnamesinnen, die nichts als Vertragsarbeitnehmerinnen gekommen sind, sondern aus anderen Gründen ihre vietnamesische Heimat verlassen mussten und hier versuchen wollen, sich ein neues Leben aufzubauen. Auch sie werden mit ihren Hoffnungen und Wünschen nicht allein gelassen, werden tatkräftig vom Club Asiaticus und vor allem vom VINAPHUNU unterstützt, finden dort offene Herzen und Türen: Leider scheitern auch die viel zu oft an der Hartherzigkeit von Sachbearbeitern und dem bürokratischen Dschungel deutscher Gesetze.

Solange frauenspezifische Fluchtgründe nicht als Asylgrund anerkannt und damit auch in Deutschland einen legalen Status ermöglichen, sind es zunehmend osteuropäische und vietnamesische Frauen, sie in unserer Stadt weiterhin in die Illegalität getrieben und dort allen Ausbeutungs- und Unterdrückungsmechanismus unterworfen sind.

Es ist unser aller menschliche Pflicht, vor diesen Tragödien nicht die Augen zu verschließen, sondern alles in unserer Kraft Stehende für die Wartung menschlicher Rechte und weiblicher Würde einzusetzen.

Ich weiß, dass VINAPHUNU sich dieser Pflicht verschrieben und seine ganze Kraft für eine Integration mit menschlichen Zügen, für ein Zusammenleben unter Wahrung der Menschenwürde, für die Gleichberechtigung einsetzt.

Das bedeutet noch viele Jahre Kampf und Arbeit –dafür wünsche ich von ganzem Herzen, allen Mitgliedern, Freunden und Kampfgefährte vom Club Asiaticus auch für die nächsten zehn Jahre weiterhin so viel Erfolg, Mut und Durchsetzungsvermögen wie bisher.

Ginga Eichler

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