Ich freue mich von Herzen, Frau Thu und dem Club Asiaticus –Vinaphunu zum zehnjährigen Bestehen gratulieren zu können. Da ich die Geschicke des Vereins nun schon in sieben Jahren verfolgte, glaube ich, mir ein Urteil darüber erlauben zu können, wie erfolgreich seine Arbeit für Vietnamesen, aber auch für zahlreiche Deutsche bislang war. Seine Bedeutung reicht weit über das bloße Programm, zu dem auch die allwöchentliche Rechtsberatung gehört, hinaus. Ich habe eher den Eindruck gewonnen, dass hier ein Treffpunkt geschaffen wurde, der für viele Vietnamesen aus Berlin und weiteren Teilen Ostdeutchlands aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken ist.

Das liegt- natuürlich- an der Persönlichkeit Frau Thus, die den Club wie keine andere geprägt hat, die praktisch der Club selbst ist. Sie schafft es, sich um sämtliche Problems der Clubesucher gleichzeitig zu kümmern, vermittelt den Eindruck höchstens Engagements, ist warmherzig und charmant – une eine fantastische Köchin! Manchmal glaubt man, sie müsse noch eine Doppelgängerin habe. Wie sonst kann man gleichzeitig Reisen und Ausstellungen organisieren, das umfangreiche Programm des Clubs managen, Feste ausrichten, als Sozialarbeiterin für einzelne kämpfen, bei Behörden und Anwälte dolmetschen, sich bei der Senatsverwaltung um die Weiterexistenz des Vereins kümmern und dann noch für alle dasein und mit Rat und Tat zur Seite stehen? Nicht zu vergessen, dass sie schließlich noch Muße findet, Jäckchen für meine Kinder zu stricken. Eine bemerkenswerte Persönlichkeit also, der sicherlich im Verlauf der Feierlichkeit zurecht größter Dank ausgesprochen werden wird.

Im Laufe der Jahre hat sich meine Arbeit im Club nicht unwesentlich verändert. Waren es anfangs eher aufenthaltsrechtliche Probleme, die ich zu lösen half, werde ich zunehmend zu pratiksche Fragen des (Geschäfts-)Lebens konsultiert. Dankenswerterweise ist in der Politik unlängst erkannt worden, dass die einzig faire Behandlung der ehemaligen DDR-Vertragsarbeiter darin besteht, ihnen die in der DDR verbrachten Jahre anzurechnen, und es außerdem sinnvoller ist, die Intergration der abgelehnten Asylbewerber zu fördern, statt sie über viele Jahre hinweg zu kasernieren und vom Erwerbsleben fernzuhalten. So können die viele Betroffenen endlich ihre Energie auf das eigentliche Leben richten- die Geschäfte, die Aus-und Weiterbildung, ihre Familie. Leider muss ich aber feststellen, dass der Kampf gegen die Bürokratie nach wie vor einen Großteil der Rechtsfragen ausmacht, die an mich herangetragen werden. Vielleicht kann im großen Reformeifer der Regierung auch dieses Problem irgendwann einmal zufreidenstellend gelöst und viele Verwaltungsverfahren vereinfacht werden, die weder Deutschen noch Ausländern cerständlich sind.

Ich möchte auch einige Worte zu meinem persönlichen Verhältnis zum Club zu und zu Frau Thu sagen. Denn der langjährigen Zusammenarbeit habe ich es zu verdanken, daßß ich überhaupt etwas über die vietnamesische Kultur erfahren habe. Das alljährliche Tet-Fest ist sicherlich der Höhepunkt des Clublebens, auch für die vielen Deutschen, die hierzu eingeladen werden, Die interessanten Darbietungen aus Musik und Tanz, die wunderbaren Kostüme geben einen kleinen Einblick in die reiche vietnamesischen Kultur. Nach und nach ist mir auch die Mentalität der Vietnamesen nahegekommen, die zu Anfang bei aller Höflichkeit und Freundlichkeit habe, durch einige von ihnen, zum eispiel Frau Thi oder auch die großeartige und einfühlsamen Dolmetscherin Frau Voigt mehr von Vietnam, seiner Geschichte, Mentalität, Kultur und Sprache erfahren zu können.

Ich freue mich daher auf viele weitere Jahre und hoffe, daßß es weiterhin gelingt, die Finanzierung und demnächst auch die Unterbringung in neuen Räumen zu sichern.

C. Ivanyi

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