Das Berufsleben bringt mir als Journalistin viel Freude und auch viel Traurigkeit bei Suche und Entdeckung. Eine der nie verblassten eindrucksvollen Erinnerungen ist meine Kenntnis über das Schicksal und Leben einfacher Vietnamesinnen in einem zehntausend Kilometer von Vietnam entfernten Land, wo die kulturellen Unterschiede zwischen dem Morgen- und dem Abendland, sowie die traditionelle Zurückhaltung sich nicht als Vorteile für die Integration und Anpassung in die neue Gesellschaft zeigen.

 

Im Rahmen eines von der NGO ‘’IJP’’ (International Journalisten Programme) geförderten Projektes zum Erfahrungsaustausch unter jungen Journalisten aus Deutschland und aus dem pazifisch-asiatischen Raum kam ich 1997 in die Bundesrepublik Deutschland. Eines meiner Hauptthemen auf dieser Reise bestand darin, dass ich mich über das Leben der vietnamesischen Gemeinschaft in Deutschland informieren würde.

 

Der Zufall hat mich gleich an dem ersten Tag nach meiner Ankunft in Berlin zu der richtigen Adresse geschickt. Als mir die Familie eines Bekannten aus Hanoi die Briefe und Geschenke für eine Frau Hoai Thu mitgab, hatte ich noch gar keine Kenntnis über diese Landsmännin und den von ihr geleiteten Club ‘’VINAPHUNU’’. Dank ihrer außergewöhnlichen Aufgeschlossenheit konnte ich gleich beim ersten Gespräch einige Informationen über die Vietnamesen in Berlin erhalten. Durch meine Teilnahme an Veranstaltungen im Club habe ich selbstverständlich die Möglichkeit genutzt, direkte Kontakte mit ihnen aufzunehmen, ihnen nah zu kommen.

 

An den Abenden des Wochenendes versuchte ich, mich so einzurichten, dass ich zu dem in einem schönen Haus mit rotem Backstein an einer ruhigen Ecke der Christburger Straße befindlichen Club kommen konnte. Er war immer gut besucht. Die vietnamesischen Frauen kamen meistens mit ihren Ehemännern und Kindern, demonstrierten ihre Geschicklichkeiten bei dem Zubereitung vietnamesischer traditioneller Gerichte und unterhielten sich in einer familiären Gemütlichkeit über ihre persönlichen und sozialen Probleme.

 

Es ist richtig von Frau Hoai Thu, wenn sie die Auffassung vertritt, dass eine familiäre Atmosphäre geschaffen werden soll, um so viele Besucher wie möglich für den Club gewinnen zu können. Die aufgeschlossene gemütliche Stimmung hat das Vertrauen vieler gewonnen, die dann ihre Probleme offenbaren mit der Hoffnung auf Verständnis und Unterstützung .

 

Während meines Berliner Aufenthaltes habe ich glücklicherweise an einem von dem Club und BI gemeinsam organisierten Wochenendseminar zum Thema ‘’Vietnamesinnen im Integrationsprozess in die deutsche Gesellschaft’’ teilnehmen können. Das war für mich wirklich eine gute Möglichkeit für mehr Erkenntnisse über Gemüt und Empfindungen der in Deutschland lebenden Vietnamesinnen und über ihre Probleme, die sie bei Diskussionen am Seminartisch zum Ausdruck gebracht hatten. Es ist bei Vietnamesinnen bekanntlich nicht üblich, sich persönlich vor einem großem Publikum zu äußern. Aber durch die Teilnahme an so einem Seminar können sie sich langsam daran gewöhnen.

 

Die meisten Ideen haben sich in der Praxis auf langjährige Erfahrungen in den Tätigkeiten der Arbeit, zur Hilfe der Ausländer bei ihrer Integration in die Gesellschaft bezogen. Jede Erscheinung wurde genau ausgewertet, auf ihre positiven und negativen Seiten hingewiesen und Maßnahmen wurden vorgestellt, so dass die Vietnamesinnen sich eine klarere Sicht auf das, was um sie herum geschieht, verschaffen können, die wiederum ihre Integration erleichtern wird.

 

Die Ausländerbeauftragte des Senats von Berlin, Frau Barbara John, hat mir gegenüber geäußert, Vietnamesen in Berlin seien in der Lage, sich schneller als andere Ausländergemeinschaften zu integrieren. Das mag sein. Dennoch das heißt nicht, dass die Vietnamesen sich leicht integrieren können. Im Gegenteil, das ist ein langwieriger und schwieriger Prozess. Dies konnte ich eindeutig wahrnehmen durch meine Kontakte mit ihnen.

 

Und ich habe auch feststellen können, dass sie solche Organisationen wie den Club VINAPHUNU und solche warmherzliche und eifrige Menschen wie Frau Hoai Thu brauchen.

 

 

Dang Hong Nga

 

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