Wieder einmal kam ich richtig schön erschöpft von der Arbeit nach Hause und die Zeit zum Einkaufen hatte nicht gereicht- ausserdem war diesen Monat das Geld knapp, da ein Auftrag abgesagt worden war.

Hungrig durchforstete ich den Kühlschrank. … Kaum etwas für einen Anlass zum Kochen zu finden. Dabei frage ich mich — wie so oft— Was ernährt uns und macht uns dabei froh? – Wofür die viele Arbeit— wenn man hungrig nach Hause kommt, in den leeren Kühlschrank starrt…. Ein gewisses Unbehagen bleibt nicht aus über unsere vom Geld dominierte Gesellschaft und die oft rastlose Härte des einfachen „Überlebens“. Da steht noch der Reistopf vom Vortag- und blitzartig sagt meine „innere Köchin“: Gebratener Reis !! Und sofort finde ich die wenigen Zutaten die mir seit dem Kochkurs vor ungefähr 18 Jahren in einer kleinen schmalen Küche in der Schliemannstr. 18 im Projekt VINAPHUNU bestens in Erinnerung geblieben sind: Zwiebel, Salz, Pfeffer, harte Wurst, Reis, etwas Grünes, ein Eigelb. Fertig!! Und während ich den Reis brate, kommt trotz Hunger und eben noch Unbehagen die schöne Erinnerung an die vielen Geschichten des einfachen „Überlebens“ in einer Welt zwischen den Welten – die Welt der vietnamesischen Frauen und Familien, die ich in VINAPHUNU erlebte und ihre herzliche erfindungsreiche Gründerin Frau Hoai Thu. Ich esse also mein einfachstes Essen – es schmeckt trotz aller Einfachheit wirklich zauberhaft lecker- und es macht mehr als satt- es weckt die Erlebnisse von Verbindung, Vernetzung, Zusammenkommen in allen Lebenslagen und gegenseitige Unterstützung und aus den einfachsten Mitteln etwas zum Überleben oder auch etwas sehr schönes Erfolgreiches zu machen – (z.b. Tanzgruppe Xinh-Compagnie)- ein Markenzeichen der jahrelangen, in vielen kleinen Schritten gewachsenen Integrationsarbeit des Projekts. Und es fällt mir wieder DAS REISKORN ein: eines Tages zeigte Frau Thu auf die kleinen chinesischen Teeschalen und wir entdeckten die lichtdurchlässigen kleinen reiskornförmigen Muster in den Schalen—„Das ist die Bedeutung“ sagte sie „ehre das einzelne kleinste Reiskorn- denn ohne jedes einzelne gibt es keine einzige Schale Reis, die dich satt macht.“ Ja- 20 Jahre VINAPHUNU enthält in vielfacher Form diese Weisheit und ist viel mehr als „gebratener Reis“- es ist ein bedeutendes Fenster zu einer Welt, die mein Leben bereichert hat- in kleinsten reiskornähnlichen unzähligen Ereignissen und in einem der schönsten Erlebnisse – die 3-wöchige Reise durch Vietnam 2010 mit 22 Frauen.

Danke VINAPHUNU, dass es Euch hier in Berlin gibt- danke Thu – für alle Visionen, liebevolle Arbeit und Durchhaltevermögen und herzliche Glückwünsche sowie weiterhin alles, alles Gute für alle Frauen und ihre Familien von

 

Anna Katharina Kaufmann / Vereinsmitglied Asiaticus e.V.

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