Liebe Thu, liebe Frauen von VINAPHUNU !

Ich möchte euch ganz herzlich zu eurem Jubiläum gratulieren !

20 Jahre „VINAPHUNU “ sind wahrlich ein Grund zu feiern !

Ganz so lange kenne ich euch noch nicht, aber ich kann mich noch gut an die große Feier zum 10. Geburtstag des Vereins in der „Wabe“ im Prenzlauer Berg erinnern:

So viele Menschen, die zum Gratulieren und Feiern gekommen waren, die Mädchen und Frauen in ihren wunderschönen traditionellen Gewändern, die Lieder und Tänze aus eurer alten Heimat (ich gehe davon aus, dass die meisten inzwischen Berlin/ Deutschland als neue Heimat ansehen); die Fotoausstellung im Foyer, die Tische, die sich unter den Massen von Frühlingsrollen und anderen Köstlichkeiten bogen; …

Ich habe Thu als Sprachmittlerin in der JVA Moabit kennen gelernt. Anfangs beschränkten sich unsere Kontakte ausschließlich darauf, dass wir gemeinsam vietnamesische Inhaftierte aufsuchten und alles Notwendige mit ihnen besprachen.

Ca. 2003 übernahm ich die organisatorische Verantwortung für die Gesprächsgruppe mit vietnamesischen Inhaftierten, welche Thu seit Jahren regelmäßig in der JVA Moabit durchführte. Die Nachfrage bei den vietnamesischen Inhaftierten nach der Gruppenteilnahme war sehr groß. Leider habe ich nie verstanden, worum sich die Gespräche drehten. Ich kann noch immer kein Wort vietnamesisch. Aber gemeinsam mit Thu konnten wir viele Probleme der Vietnamesen lösen. Manchmal gab es in der Gruppe lautes Gelächter, aber auch Applaus, aus welchen ich durch die Sprachbarriere ausgeschlossen war. Die Gründe für das Lachen konnte Thu selten übersetzen, den Applaus gab es z. B. für selbstverfasste Gedichte eines Inhaftierten, welcher dadurch großes Ansehen bei den anderen erlangte.

Fast jedes Jahr waren wir Gäste des Tet-Festes, welche stets mit großem Engagement, Fleiß, tollen Ideen und leckerem Essen von den Frauen unter Leitung Thus gestaltet wurden.

Bei einem unserer ersten Besuche eines Tet-Festes tanzte eine Kindergruppe des Vereins in traditionellen Kleidern einen vietnamesischen Tanz. Dabei fiel mir ein Mädchen auf: Sie war sehr hübsch, eine besonders schöne Mischung aus asiatischen und europäische Genen.

Ich freute mich bei jedem Anlass aufs Neue, dieses Mädchen zu sehen. Sie war nicht nur hübsch, sondern wie ich erfuhr, auch eine sehr gute Schülerin. Später brachte sie Freundinnen und Freunde mit, die nicht aus der vietnamesischen Community stammten und so einen Einblick in die Kultur der Vietnamesen bekamen.

Ich freue mich noch immer, wenn ich ihre Familie sehe, weil sie für mich ein Beispiel für eine glückliche bikulturelle Beziehung und für gute Integration ist.

Gemeinsam mit meinem Mann besuchte ich einen der beliebten Kochkurse im Verein. Oft war Thu beim Kochen allerdings so schnell, dass wir nicht alles erfassen konnten, was in der Küche geschah. Es bedarf aber wohl keiner besonderen Betonung, dass alles was dort gekocht wurde, vorzüglich schmeckte !

Den Höhepunkt meiner Beziehung zum Verein vietnamesischer Frauen stellt zweifellos die gemeinsame Reise nach Vietnam im März 2010 dar. Ich war sehr glücklich darüber, mitreisen zu dürfen. Von den vielen wunderbaren Erlebnissen sprechen wir immer wieder gern. In die Vorbereitungen waren in Berlin und Saigon soviel Arbeit, Kraft und Liebe investiert worden, dass unser Dank kaum alles umfassen kann. Besonders beeindruckt hatte mich, wie unkompliziert eine große Gruppe meist völlig fremder Frauen in den verschiedenen Haushalten aufgenommen wurde. Unsere Mitreisenden verschwanden in den Küchen… und plötzlich war eine Tafel zu einem Festmahl vorbereitet. Nach dem Essen wurde wieder Ordnung hergestellt und wir entschwanden.

Hoffentlich blieben auch bei den Gastgebern so gute Erinnerungen von uns zurück !

Die Besuche bei den Familien der vietnamesischen Frauen gehören wegen der Natürlichkeit und Herzlichkeit zu meinen stärksten Eindrücken bei dieser Reise. Aber auch die vielfältige Natur, die historischen Gebäude, die Geschichte und Geschichten an den verschiedenen Orten, die Mopeds und Fahrräder im Verkehrsgewusel, das Frühstück in den Garküchen am Straßenrand; die Aufzählung der Besonderheiten der Reise ließe sich beliebig fortsetzen. Es war einfach wunderschön.

Auch im Namen meines Mannes wünsche ich euch alles erdenklich Gute für mindestens die nächsten 20 Jahre !

Dazu zählen viele interessierte und fleißige MitarbeiterInnen, eine gesicherte Finanzierung, weiterhin tolle Ideen

und und und …

Ich verbleibe mit lieben Grüßen und in tiefer Verbundenheit

Eure Elke Kortus

Berlin, 7.2011

Advertisements