Liebe Frauen von VINAPHUNU!

Meine herzlichsten Glückwünsche zum 20. Jahrestag Eures Bestehens!

In der Vergangenheit hatte ich viele Begegnungen mit Vietnamesen, die mich dann indirekt zu Euch führten. Mit dem Land Vietnam verbanden mich in der DDR immer besondere Gefühle.

1957 hatte ich das große Glück dem Präsidenten Vietnams Ho Chi Minh (Onkel Ho) zu begegnen, der das Pionierzeltlager “Helmut Just” in Biesenthal besuchte, um sich über die Erholungsmöglichkeiten der Kinder in der DDR zu informieren. Schon einen Tag zuvor knisterte es in der Luft vor Anspannung und Erwartung. Alle Kinder waren gespannt auf den hohen Gast. Völlig unkompliziert setzte er sich zwischen uns in den Sand und erzöhlte von seiner Heimat und der Liebe zu seinen Landsleuten. Aufmerksam verfolgte er unserer Lieder, besah sich die Zelte und stellte Einzelnen Fragen. Er hat mich durch seine Art persönlich sehr beeindruckt, er stellt sich uns als ein bescheidener, kluger und warmerziger Mensch dar.

Vietnamesen gehörten bei uns in der DDR zu unserem Alltag, auch zumeinem. Mein Vater arbeitete damals im TRO (Transformatorenwerk Oberschöneweide). Er betreute im Werk in den 60iger Jahren junge Vietnamesen, die dort ihre Ausbildung erhielten und dann in ihre Heimat zurückkehrten. Das erste mal waren sie von zu Hause weg und hatten natürlich auch Heimweh. Mein Vater lud die Jungen oft zu uns ein und gab ihnen damit ein zweites Zuhause, ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit. Sprachbarrieren wurden schnell überwunden, die Jungen erlernten rasch die deutsche Sprache. Nach Rückkehr in die Heimat wanderten oft noch Briefe hin und her, manchmal auch Ersatzteile für die in der DDR gekauften Mopeds…

1994 begann ich meine Tätigkeit bei publicata e.V. als Leiterin einer Psycho-sozialen Beratungsstelle für Ausländer. Ich suchte nach Erfahrungen anderer Vereine und wandte mich an die damalige Ausländerbeauftragte M. Arndt, sie benannte mir Eure Adresse. Umgehend nahm ich Kontakt zu Thu auf. Die Beratungsstelle war zu der Zeit in der Schliemannstraße. Ich freute mich auf die erste Begegnung mit Thu und ging voller Erwartungen hin. Wie es auch heute bei Euch zugeht, empfing mich viel Trubel, ein Sprachkurs lief, Beratungsgespräche… Thu bot mir in ihrer gastfreundlichen Art einen mir ungewöhnlichen Tee an (ich bin doch kein Teetrinker). Ich trank ihn aber tapfer. Sie zeigte mir ihre bekannten Bilddokumente (die ja heute nach 20 Jahren kaum noch zu zählen sind), erzählte mir von den Anfängen in der Beratungstätigkeit. Es war für mich ein informativer, interessanter und bewegender Nachmittag. Ich nahm viele Ideen mit und war damit auch in das “Kontaktnetz” von Thu aufgenommen.

Seit diesen Zeitpunkt genoss ich die vielen Feste im Club, lernte die unwahrscheinliche Gastfreundschaft und die Vielfalt der vietnamesischen Küche kennen und schätzen (nicht nur ich). Ich erinnere mich an jeden Eurer Umzüge, an die jährlich zunehmenden Gäste, die sich mit Eurem Club verbunden fühlten und fühlen. Bewundert habe ich immer die umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit, die den Bekanntheitsgrad von VINAPHUNU erhöhten. Und es fiel mir stets auf: immer ist alles in Bewegung, viele Aktivitäten, der ist eine Heimstatt für die Frauen und Kinder zur Hilfe und zum Fröhlich sein – Ihr seid eine große Familie! Froh war ich natürlich auch, das unser Verein pblicata e.V. mal kurzfristig helfen konnte, drei Kollegen von Euch bei uns zu beschäftigen.

Hinter allem was der Club heute ist, steckt unwahrscheinlich viel Engagement, Kraft und Optimismus, vor allen Dingen von Thu mit ihren fleißigen vietnamesischen Frauen.

Es ist gut, dass es Euch gibt, Ihr seid für viele Vietnamesinnen nicht mehr wegzudenken und für die deutschen Freunde auch nicht. Es ist mit Euch im Prenzlauer Berg richtig bunt!

Ich werde auch gern weiter eine Besucherin und Freundin Eures Clubs sein, der noch viele viele Jahre existieren möge.

Nachtrag: Es sei mir gestattet einen Vorschlag zu machen. Macht doch mal eine Ausstellung der besonderen Art z.B. über Erlebnisse Deutscher mit Vietnamesen. Deutsche Freunde sind sicher bereit beim Sammeln von Material zu helfen. Vielleicht sollte mein Bild von Ho Chi Minh der Anfang sein.

In enger Verbundenheit

Uschi Jeske

Berlin, 7.2011

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