Category: 10 Jahre VINAPHUNU Broschüre (2001)



Die Integration vietnamesischer Kinder und Jugendlicher in die deutsche Gesellschaft, wo zugleich die eigene Tradition und Kultur gepflegt werden soll, ist in der Tat nicht einfach. Es ist dennoch ein zu lösendes Problem und im Grunde überhaupt keine widersprüchliche Angelegenheit. Es ist jedoch ein Prozess, der gewisse Einstellungen seitens der Familie, der Gemeinschaft sowie ein harmonisches Zusammenspiel zwischen Familie, Schule und Gesellschaft erfordert. Der Club Asiaticus hat seither diese Aufgabe bewusst aufgenommen und bereits mit voller Anstrengung eigene Schritte, die nicht minder zum Ergebnis führten, gemacht.

Während einer Zeit, die durch die politischen und gesellschaftlichen Umstellungen schwierig war, sind viele Kinder auf die Welt gekommen. Heute ist diese Generation bereits 18, 20 oder 21 Jahre alt. In den deutschen Grundschulen, Berufsschulen, Fachhochschulen sowie in den Universitäten ist das Erlernen der vietnamesischen Sprache für sie, sowie für Jugendliche, die als Kleinkinder nach Deutschland kamen, zu einem dringenden Problem geworden. Betroffene Eltern empfinden ebenfalls diese Notwendigkeit. Die Eltern haben durch ihre Arbeit meistens kaum Zeit, sich intensiv mit ihren Kindern zu beschäftigen. Zeit, die nötig wäre, um die vietnamesische Sprache anzuwenden. Das Erlernen der Sprache ist das Schwierigste und zugleich auch das Grundlegendste, um „zum Ursprung“ zurück zufinden. Der Club Asiaticus bietet daher seit vielen Jahren kostenfreie Vietnamesischkurse für Kinder von neun bis fünfzehn Jahren an, zweimal in der Woche à 90 Minuten. Diese Kurse werden von zwei ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen geleitet. In dieser Arbeit kann man die harmonische Verbindung der fürsorglichen Zusammenarbeit zwischen der Familie, den Lehrerinnen und dem Club sehen.

Neben dem Unterricht, wo die Kinder nicht nur lesen und schreiben lernen, um das Schöne und die Wichtigkeit der Muttersprache zu erkennen, können die Schüler auch die Bräuche, Sitten und Traditionen Vietnams näher kennenlernen. So z.B. die höflichen Anredeformen, das Lesen von Märchen, das Singen von Volksliedern, das Kochen von traditionellen Gerichten usw.

Zu den jährlichen Festen, Tet-Festen oder Feiern des Clubs haben die Kinder schon viel Interessantes zum Kulturprogramm beigetragen. Immer wieder bietet der Club den Kindern und Jugendlichen attraktive Angebote, wie z.B. Kino-, Theater- und Puppentheaterbesuche. Die Samstage sind Familienfesten, Ausflügen mit Grillnachmittagen und Ballspielen, Origami, Kreidemalerei, Tanzen und Singen vorbehalten. In jedem Sommer organisiert der Club ein großes Kinder- und Sommerfest, an dem zahlreiche Kinder und ihre Eltern voller Freude und Begeisterung teilnehmen. Im Jahre 1997 und 2002 besuchten die Frauengruppe, sowie die Jugendlichen und Kinder des Clubs den Euro Disney Park bei Paris. Ein großer Traum unserer Kinder ist hier in Erfüllung gegangen. Jährlich organisieren wir verschiedene Ausflüge, wie z.B. die Exkursionen zum Vogelpark, zum Safari-Park, zu Tropical Island oder die Besichtigungen der Bundesgartenschauen in Potsdam oder Rostock… Der Club hofft, dass jede Anstrengung durch seine Aktivitäten, den Kindern und Jugendlichen Spaß und Freude bereitet und in ihren Herzen schöne Erinnerungen an ihre Kindheit hinterlässt.

Währenddessen steht an erster Stelle die Integrationsarbeit für Kinder und Jugendliche, die erst später, nach dem Familienzusammenführungsgesetz nach Deutschland kamen. Es gilt, diese Kinder und Jugendliche, in die deutsche Gesellschaft zu integrieren, insbesondere durch die deutsche Sprache, um das deutsche Schulprogramm aufzuholen. Seit dem Jahr 1991 bis jetzt, bot der Club Asiaticus bereits viele kostenfreie Deutschkurse an, die von erfahrenen deutschen Lehrern geleitet wurden. Es geht um Hilfestellungen beim Erlernen der deutschen Sprache, sowie um das Verständnis von sozialwissenschaftlichen Fächern; hier gibt es häufig die meisten Schwierigkeiten. Ist das deutsche Sprachverständnis schon einigermaßen stabil, so gibt es in den Kursen zusätzliche Angebote, um die Schüler allmählich mit der deutschen Gesellschaft bekannt zu machen. Z.B. durch kulturelle Erkundigungen in Berlin, durch Museums- oder Kinobesuche. Mithilfe dieser Kurse gibt es bereits Jugendliche, die locker und mit gutem Ergebnis im Schulprogramm mitkommen. Das bereitet auf die Zukunft vor und gibt positive Impulse für die eigene Entwicklung im fremden Land. Wird die deutsche Sprache gut beherrscht, bleibt es nicht nur beim Lesen-Verstehen- Niveau, sondern auch die Qualität des Unterrichts passt sich an, indem die Methode des logischen Denkens und des Schreibens von Lyrik gelehrt wird. Dies bereitet z.B. auf ein späteres Studium vor und gibt das Selbstvertrauen, sicher und mit guten Vorkenntnissen durchs Leben schreiten zu können. Um die Traditionen des gemeinschaftlichen, alltäglichen Lebens – eine Besonderheit der vietnamesischen Kultur – zu erhalten, bietet der Club den familiären Rahmen und die entsprechende Atmosphäre. Die Kinder und Jugendlichen tauchen, sobald sie sich für die Kurse entscheiden, in eine besondere familiäre Atmosphäre ein. Wir bieten z.B. eine sehr gut ausgestattete Präsenzbibliothek mit vietnamesischer Literatur, die man ausleihen kann, wir bieten traditionelle Kochkurse oder Handarbeiten, wie Stricken, Sticken oder Häkeln. Dies alles können die Kinder- und Jugendlichen, so wie ihre Mütter auch, bei uns nutzen. An freien Tagen, an Samstagen oder nach den Deutschkursen finden Ausflüge statt, oder es wird Tischtennis, Volleyball, Federball oder Basketball gespielt.

Die Kinder und Jugendlichen können sich aktiv bei der Arbeit des Clubs einbringen. So machen viele von ihnen bereits bei den sogenannten Vietnam-Tagen im „Haus der Kulturen der Welt“, oder beim „Mekong-Länder-Tag“ im Rathaus Schöneberg mit. Auch beim „Tag gegen Rassismus“, oder beim „Tag der Mahnung“ bereicherte z.B. die Tanzgruppe Xinh Company das Kulturprogramm der Veranstaltungen. Bei Kino- und Galeriebesuchen, bei Gesprächen mit vietnamesischen Künstlern und Literaten und an den Infoständen des Projektes VINAPHUNU hatten die Kinder und Jugendliche die Gelegenheit, mit ganz unterschiedlichen Menschen in Kontakt zu treten und am gesellschaftlichen Leben aktiv teilzunehmen.

In Zusammenarbeit mit anderen Organisationen veranstaltete der Club in den Ferien für sie Begegnungen in internationalen Ferienlagern, an Tagungen mit verschiedenen Themen wie „Antirassismus“, „Kultureller Aspekt im Integrationsprozess in die deutsche Gesellschaft“ usw. Dies alles bietet den jungen Leuten die Möglichkeit, sich für aktuelle politische und gesellschaftliche Probleme zu interessieren und Prozesse aktiv mitzugestalten.

Der Beitrag, den alle Kinder und Jugendliche, in allen Altersgruppen für die Kulturarbeit des Clubs leisteten und leisten, ist besonders lobend hervorzuheben. Wir denken z.B. an die Bilderausstellungen, an musikalische Beiträge. Wir denken an die Ausgestaltung vielfältiger Kulturprogramme, nicht nur bei den Festen unseres Clubs, sondern auch darüber hinaus bei anderen Vereinen und Organisationen. Die legendären Auftritte der Mädchen-Tanzgruppe Xinh Company auf verschiedenen kleinen und großen Bühnen von Berlin und ihr Gewinn des ersten Preises beim Karneval der Kulturen 2004, stehen stellvertretend für die erfolgreiche Kinder- und Jugendarbeit des Clubs Asiaticus.

Wir verbleiben in der Hoffnung, dass die umfangreichen Tätigkeiten der Kinder- und Jugendarbeit des Clubs in all den Jahren, den jungen Menschen effektive und ganz praktische Ergebnisse bringt, so daß sie sich sicher in das Leben

und in die Gesellschaft Deutschlands integrieren können. Weiterhin hoffen wir, sie durch unsere Arbeit zu ermutigen, die guten Traditionen weiterhin zu pflegen und ihre Heimat mehr zu verstehen, zu schätzen und zu lieben. Gerade diese Dinge sind die aufrichtigsten Sehnsüchte eines jeden, von seiner Heimat entfernten Vietnamesen.

Loos Nguyen Thi Hoai Thu

 

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Das Berufsleben bringt mir als Journalistin viel Freude und auch viel Traurigkeit bei Suche und Entdeckung. Eine der nie verblassten eindrucksvollen Erinnerungen ist meine Kenntnis über das Schicksal und Leben einfacher Vietnamesinnen in einem zehntausend Kilometer von Vietnam entfernten Land, wo die kulturellen Unterschiede zwischen dem Morgen- und dem Abendland, sowie die traditionelle Zurückhaltung sich nicht als Vorteile für die Integration und Anpassung in die neue Gesellschaft zeigen.

 

Im Rahmen eines von der NGO ‘’IJP’’ (International Journalisten Programme) geförderten Projektes zum Erfahrungsaustausch unter jungen Journalisten aus Deutschland und aus dem pazifisch-asiatischen Raum kam ich 1997 in die Bundesrepublik Deutschland. Eines meiner Hauptthemen auf dieser Reise bestand darin, dass ich mich über das Leben der vietnamesischen Gemeinschaft in Deutschland informieren würde.

 

Der Zufall hat mich gleich an dem ersten Tag nach meiner Ankunft in Berlin zu der richtigen Adresse geschickt. Als mir die Familie eines Bekannten aus Hanoi die Briefe und Geschenke für eine Frau Hoai Thu mitgab, hatte ich noch gar keine Kenntnis über diese Landsmännin und den von ihr geleiteten Club ‘’VINAPHUNU’’. Dank ihrer außergewöhnlichen Aufgeschlossenheit konnte ich gleich beim ersten Gespräch einige Informationen über die Vietnamesen in Berlin erhalten. Durch meine Teilnahme an Veranstaltungen im Club habe ich selbstverständlich die Möglichkeit genutzt, direkte Kontakte mit ihnen aufzunehmen, ihnen nah zu kommen.

 

An den Abenden des Wochenendes versuchte ich, mich so einzurichten, dass ich zu dem in einem schönen Haus mit rotem Backstein an einer ruhigen Ecke der Christburger Straße befindlichen Club kommen konnte. Er war immer gut besucht. Die vietnamesischen Frauen kamen meistens mit ihren Ehemännern und Kindern, demonstrierten ihre Geschicklichkeiten bei dem Zubereitung vietnamesischer traditioneller Gerichte und unterhielten sich in einer familiären Gemütlichkeit über ihre persönlichen und sozialen Probleme.

 

Es ist richtig von Frau Hoai Thu, wenn sie die Auffassung vertritt, dass eine familiäre Atmosphäre geschaffen werden soll, um so viele Besucher wie möglich für den Club gewinnen zu können. Die aufgeschlossene gemütliche Stimmung hat das Vertrauen vieler gewonnen, die dann ihre Probleme offenbaren mit der Hoffnung auf Verständnis und Unterstützung .

 

Während meines Berliner Aufenthaltes habe ich glücklicherweise an einem von dem Club und BI gemeinsam organisierten Wochenendseminar zum Thema ‘’Vietnamesinnen im Integrationsprozess in die deutsche Gesellschaft’’ teilnehmen können. Das war für mich wirklich eine gute Möglichkeit für mehr Erkenntnisse über Gemüt und Empfindungen der in Deutschland lebenden Vietnamesinnen und über ihre Probleme, die sie bei Diskussionen am Seminartisch zum Ausdruck gebracht hatten. Es ist bei Vietnamesinnen bekanntlich nicht üblich, sich persönlich vor einem großem Publikum zu äußern. Aber durch die Teilnahme an so einem Seminar können sie sich langsam daran gewöhnen.

 

Die meisten Ideen haben sich in der Praxis auf langjährige Erfahrungen in den Tätigkeiten der Arbeit, zur Hilfe der Ausländer bei ihrer Integration in die Gesellschaft bezogen. Jede Erscheinung wurde genau ausgewertet, auf ihre positiven und negativen Seiten hingewiesen und Maßnahmen wurden vorgestellt, so dass die Vietnamesinnen sich eine klarere Sicht auf das, was um sie herum geschieht, verschaffen können, die wiederum ihre Integration erleichtern wird.

 

Die Ausländerbeauftragte des Senats von Berlin, Frau Barbara John, hat mir gegenüber geäußert, Vietnamesen in Berlin seien in der Lage, sich schneller als andere Ausländergemeinschaften zu integrieren. Das mag sein. Dennoch das heißt nicht, dass die Vietnamesen sich leicht integrieren können. Im Gegenteil, das ist ein langwieriger und schwieriger Prozess. Dies konnte ich eindeutig wahrnehmen durch meine Kontakte mit ihnen.

 

Und ich habe auch feststellen können, dass sie solche Organisationen wie den Club VINAPHUNU und solche warmherzliche und eifrige Menschen wie Frau Hoai Thu brauchen.

 

 

Dang Hong Nga

 

Grußwort der Ausländerbeauftragten des Senats zum zehnjährigen Bestehen von VINAPHUNU beim Club ASIATICUS e.V.

Liebe Frauen von VINAPHUNU, liebe Familienangehörige, Freundinnen, Freunde und Förderer,

mit Stolz über die geleistete Arbeit und Freude an den gemeinsam erreichten Ergebnissen können Sie mit VINAPHUNU auf die letzten zehn Jahre zurückblicken. Meinen herzlichen Glückwünsch dazu und meinen Dank an alle, die dazu beigetragen haben!

Der Zeittraum seit dem Bestehen Ihres Projektes hat durch die deutsche Wiedervereinigung für alle Menschen viele Änderungen gebracht. Für Sie war es jedoch doppelt so schwer, diese Neuorientierung zu bewältigen, sich im Alltag zurechtzufinden, mit der fremden Sprache umzugehen und trotz der Schwierigkeiten eigenständig eine neue Existenz zu gründen. Da brauchte man viel Mut und die Ermutigung durch die anderen! – VINAPHUNU beim Club ASIATICUS war und ist der Ort, an dem Sie praktische Antworten erhalten auf die oft schwierigen Fragen des Lebens in Deutschland. Hier gewinnen Sie Kraft, wenn Sie das Vertraute aus der alten Heimat pflegen, hier wäscht Ihnen das Zutrauen in Ihre neue Heimat. Weiterhin begleiten VINAPHUNU meine guten Wünsche. Ihnen und Ihren Familien viel Glück und Erfolg in Berlin!

Ihre

Barbara John


In dieser Broschüre –verfasst und zusammengestellt anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Projekts „VINAPHUNU“- finden Sie sehr unterschiedliche und zum Teil sehre persönliche Sichten auf das Projekt. Da ist so gewollt und spielgelt gleichzeitig auch das großes Spektrum des Projektes und die Vielfalt seiner Besucher und Mitarbeiter wider.

Es ist kein chronologischer Abriss der Entwicklung des Projektes von Beginn an bis heute. Das kann und soll diese Broschüre gar nicht sein. Und doch finden Sie in der Gesamtheit ein Stück des Weges von „VINAPHUNU“, des Clubs Asiaticus und vor allem derer, die das Projekt begleitet, unterstützt und mitunter auch dafür gekämpft und gestritten haben. Nicht nur die Beiträge aus Berlin, Hanoi oder New York belegen die bemerkenswerten und nachhaltigen Eindrücke des Projektes auf die Autoren, die ja zugleich auch immer Beteiligte, Mitstreiter oder Aktivisten der ersten Stunde waren.

10 Jahre „VINAPHUNU“ – das sind 10 Jahre Beitrag zur Kiezkultur in Prenzlauer Berg, 10 Jahre Hilfe zur Selbsthilfe, 10 Jahre Kampf um gesicherten Aufenthalt, 10 Jahre Einmischung, alles immer auf eine sehr typisch asiatische Arte und Weise.

Das wir diesen Anlass begehen können, verdanken wir vor

allem der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales und Frauen, der Ausländerbeauftragten des Senats von Berlin Frau Barbara John, dem Bezirksamt Prenzlauer Berg bzw. heute Pankow und seiner MigrantInnenbeauftragten, dem Kulturamt Prenzlauer Berg, dem „Kulturladen“, VIA Regionalverband Berlin/Brandenburg, Rechtsanwälte Dr. Arzinger & Partner, der Freien Evangelischen Schule Berlin sowie allen Freunden und Mitstreitern, für deren Unterstützung wie uns bedanken.

Geboren“ im „Jahr der Ziege“ hat das Projekt „VINAPHUNU“ noch nicht den vollen Tierkreiszyklus durchlebt. Ich bin mir aber sicher, dass mit dem Engagement seiner Projektleiterin Frau Thu, dem ihr zur Seite stehenden Vorstand des Vereins „Club Asiaticus“ und der Unterstützung von Senat und Bezirk noch einige Zyklen bevorstehen.

Stefan Girnus

Club Asiaticus

Vorsitzender


Das zehnjährige Bestehen des Frauenprojektes VINAPHUNU ist ein schöner Anlass, auf die Erfolgreiche Arbeit der zurückliegenden Jahre zu blicken.

Die Gründung von VINAPHUNU im Jahre 1001 fällt in die Zeit der durch die Wiedervereinigung bedingten politischen Umbrüche, einer Zeit, in der insbesondere die in Berlin lebenden Menschen hautnah die Veränderungen der Stadt und ihrer Lebensbedingungen erlebt haben.

VINAPHUNU hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein auf die spezifischen Bedürfnisse asiatischer Frauen zu geschnittenes Beratungs- und Bildungsangebot zur Verfügung zu stellen. Neben der Beratung in sozialen und rechtlichen Fragen bietet VINAPHUNU den Frauen auch die Möglichkeit, die deutsche Sprache zu erlernen oder vorhandene Sprachkenntnisse zu intensivieren. Nicht wegzudenken ist das vielfältige kulturelle Angebot, das VINAPHUNU zu einem Ort der Kommunikation macht. Frauen unterschiedlicher kultureller Herkunft können gemeinsam Freizeit gestalten und oftmals Wege aus ihrer Isolation finden. VINAPHUNU ist hierbei jedoch nicht nur Anlaufstelle für ratsuchende Frauen. Die kulturelle Feste und Veranstaltung bieten besondere Gelegenheiten für Frauen vieler Nationalitäten zusammenzukommen, sich kennen zu lernen und gemeinsam zu feiern.

Das Konzept, durch ein geeignetes Angebot der Frauen die Möglichkeiten der Hilfe zur Selbsthilfe aufzuzeigen, hat sich bewährt und vielen Frauen aus schwierigen Lebenssituation geholfen. Insofern verwundert es nicht, dass VINAPHUNU nach zehn Jahren erfolgreicher Arbeit auch über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und anerkannt ist.

Ich möchte mich an der Stelle ausdrücklich für die gute Zusammenarbeit der vergangen Jahren bedanken und VINAPHUNU für die Zukunft gutes Gelingen bei der Umsetzung der Vorhanden und weiterhin viel Erfolg wünschen.

Gabriele Schöttler

Senatorin für Arbeit, Soziales und Frauen


Dienstagabend freue ich mich nach der Hektik des Kanzleialltags schon auf die Schale duftenden grünen Tees, der mich stets im Club Asiaticus – Vinaphunu erwartet.

Meistens sitzen schon mehrere Frauen beisammen, andere Gäste und Ratsuchende warten auf den Beginn der Rechtsberatung in der angenehm gestalteten Atmosphäre des Clubs.

Für mich persönlich bedeuten diese Abende seit mehr als 3 Jahre nicht nur Arbeit als Ratgebende sondern auch, dass ich an den Erfahrungen teilhaben kann und Anregungen erhalte, die meine gesamte anwaltliche Tätigkeit insbesondere im Asyl- und Ausländerrecht nachhaltig bereichern.

Nicht nur die sehr interessanten Ausstellungen, Fotos von den Aktivitäten, die Frau Thu als Leiterin des Clubs für vietnamesische Frauen und Kinder organisiert und unternimmt, sondern auch künstlerische Arbeiten, Fotos oder wundervolle Blumengestecke und Wandschmuck ziehen meine und die Aufmerksamkeit der Gäste auf sich. Auf diese Weise werde ich bei jedem Besuch im Club auf neue Arte mit der Kultur und den Lebensbräuche Vietnams vertraut und immer wieder auch neugierig gemacht.

Bei der Beratung gibt es zu allen Problemen des Alltags – vom Ausfüllen eines komplizierten Formulars, Prüfen von Verträgen, Mietverträge, Vesicherungspolicen, Arbeitsverträge bis hin zu den rechtlichen Folgen von Verkehrunfällen Klärungsbedarf. Schwerpunkt bleibt aber dennoch das Ausländerrecht, insbesondere die Sicherung und Festigung des Aufenthaltes in Deutschland.

Aber auch hier ist das Spektrum der Fragen nicht nur vielfältig, sondern auch dem Wandel der Zeit und Gegebenheiten unterworfen.

So sind in der letzten Zeit Fragen zur Einbürgerung bzw. zur Staatsangehörigkeit der seit langen hier wohnenden vietnamesischen Bürger und ihrer hier geborenen Kinder, zur Eröffnung eines eigenen Gewerbebetriebs, zur Eheschließung und Scheidungen in Deutschland hinzukommen.

Beratungsbedarf besteht außerdem bei vielen anderen Gästen, deutschen sowie ausländischen Bürger, die den Club bisher nicht kannten. Sie kommen auf Empfehlung vom Bezirksamt Prenzlauer Berg/Pankow oder anderen Institutionen und suchen Rat zu aufenthaltrechtlichen Fragen ihrer Angehörigen.

Sie alle, die mit Fragen und Problemen in den Club kommen, werden von Frau Thu, Frau Voigt als bereits sehr rechtserprobten Dolmetscherin den ehreamtlichen Mitarbeitern und Helfern sehr zuvorkommend empfangen und mit viel Verständnis und Geduld betreut.


Ich möchte auf diesem Wege FrauThu und dem Club Asiaticus ganz herzlich zum zehnjährigen Bestehen gratulieren, sie beglückwünschen zu all den kleinen und großen Erfolgen, die sie mit dem Club für ihre Landsleute, oft auch für die deutschen Partner, Freunde, Angehörigen und vielen anderen erringen konnte.

Wie alle, die auf dem Gebiet gegen die unendlich vielen politischen, bürokratischen Barrieren und Unwägbarkeit anzulaufen haben, sehe ich mit großer persönlicher Bewunderung, wie Frau Thu in den zurückliegenden Jahren mit schier unerschöpfliche Energie, nicht versiegenden Tatendrang und Optimismus sich für die Integration der vietnamesischen Bürger gearbeitet, in Berlin und weit darüber hinaus die multikulturellen Wirklichkeit mitgestaltet und dabei einen nicht hoch genug zu würdigenden persönlichen Beitrag geleistet hat.

Zugleich möchte ich Frau Thu und allen anderen Mitarbeitern von ganzem Herzen Dank sagen für die vielen schönen, erlebnisreichen Stunden voller interessanter Begegnungen, die ich mit meinen Kindern außerhalb der Rechtsberatung beim jährlichen Tet-Fest und weiteren Höhepunkten mit ihr, mit Freunden und Gästen des Clubs erleben durfte.

Catrin Kabus

Seit „Asiaticus“ gegründet wurde, finden regelmäßig Veranstaltungen in deutscher Sprache statt. In der Regel zweimal wöchentlich treffen sich ältere und jüngere Frauen sowie Gymnasiasten in ihren Kursen.

Die Ziele der Frauenkurse sind auf das praktische Sprachbedürfnis der Teilnehmer orientiert. Dazu gehört vor allem die Kommunikation mit deutschen Partnern, mit Ämtern und anderen Instanzen, mit Schulen und Kindergärten, mit Einrichtungen des Gesundheitswesens und der Rechtsprechung sowie das alltägliche Verhalten in der Öffentlichkeit.

In sprachlicher Hinsicht wird an drei Schwerpunkten gearbeitet: Es sind dies

  1. die Feststellung und Erweiterung des Wortschatzes
  2. die phonetisch korrekte Aussprache und
  3. die Grundlagen der deutschen Grammatik.

Auf Grund der bisherigen Dauer ihres Aufenthalts und ihrer Erfahrungen in Deutschland ist die Kenntnis des Wortschatzes sehr unterschiedlich und anfangs nur auf Grußformeln und Zahlenkenntnis beschränkt. Durch die Auswahl der Themen erweitert sich der Wortschatz und im Zusammenhang damit die Kenntnis ihres persönlichen und landeskundig Umfelds.

Großes Gewicht wird auf die phonetisch saubere Aussprache gelegt, um Irrtümer bei der Verständigung zu vermeiden. Dazu wird vor allem an Konsonantenverbindungen wie sch und tz, an Endkonsonanz wie t, z, s und an der Unterscheidung von n, l und r gearbeitet. Intensive Hör- und Sprechübungen dienen der Beseitigung dieser Schwächen.

In der Grammatik werden besonders der logische Aufbau des einfachen deutschen Satzes. Verbunden mit lokalen, temporalen und kausalen Aussagen geübt. Damit wird ein der jeweiligen Sprechsituation angemessenes Ausdrucksvermögen angestrebt.

Verglichen mit der sprachlichen Ausgangssituation der Teilnehmer sind beträchtliche Fortschritte in den Kursen nachweisbar. Durch die bessere Kommunikationsfähigkeit, die Erörterung aktueller und privater Probleme, durch gemeinsamen Erkundung des städtischen Umfelds, durch Heranführen en einfachen Zeitungslektüre hat sich das emanzipatorische Selbstbewusstsein der Frauen spürbar entwickelt. Dieser Fortschritt in der Persönlichkeitsbildung wurde möglich, weil in den Kursen stets eine sehr aufgeschlossene, vertrauensvolle und heitere Lernatmosphäre herrscht.

Die Kurse für Gymnasiasten orientieren sich an den Forderungen des Abiturwissens im Fach Deutsch je nach Klassenstufe der Jugendlichen. Dazu wird die mündliche und schriftliche Ausdrucksfähigkeit erhöht, auf phonetische Exaktheit Wert gelegt und zu ausgewählten Bereichen der deutschen Grammatik geübt. Die Förderung des abstrakten und logischen Denkens ist ständiger Schwerpunkt des Unterrichts sowie das Training der entsprechenden sprachlichen Mittel. Besondere Aufmerksamkeit gilt den im Schulunterricht auftretenden Schwierigkeiten der Erörterung von Texten und Textvergleichen, der Disposition und Gliederung von Aufsätzen sowie bei der Analyse von Sach- und literarischen Texten.

Große Probleme bereiten den Teilnehmern die fehlenden Kenntnisse aus dem deutschen und abendländlichen Kulturkreis und seiner Geschichte, die ihnen bei der Behandlung literarischen Werke abverlangt werden. In den Kursen nehmen daher Erläuterungen und Diskussionen zu historischen, kulturellen, ökonomischen, philosophischen und sozialkundigen Aspekten des Abiturwissens breiten Raum ein. Die pädagogische Arbeit erstreckt sich hier bis zur individuellen Förderung. Um die Jugendlichen zu aktiver Mitarbeite in der Schule zu befähigen, erfolgt in den Kursen eine vorbereitende Erörterung von Themen, die späteren Deutschunterricht an den Gymnasien eine Rolle spielen. In den Kursen herrscht eine geistige anregende, vertrauensvolle Atmosphäre und eine ausgeprägtes kooperatives Verhalten. Erfolgte dieser gemeinsamen Arbeit an der deutschen Sprache und Literatur zeigen sich in verbesserten schulischen Leistungen der Jugendlichen.

Herr und Frau Engelstädter


Ich freue mich von Herzen, Frau Thu und dem Club Asiaticus –Vinaphunu zum zehnjährigen Bestehen gratulieren zu können. Da ich die Geschicke des Vereins nun schon in sieben Jahren verfolgte, glaube ich, mir ein Urteil darüber erlauben zu können, wie erfolgreich seine Arbeit für Vietnamesen, aber auch für zahlreiche Deutsche bislang war. Seine Bedeutung reicht weit über das bloße Programm, zu dem auch die allwöchentliche Rechtsberatung gehört, hinaus. Ich habe eher den Eindruck gewonnen, dass hier ein Treffpunkt geschaffen wurde, der für viele Vietnamesen aus Berlin und weiteren Teilen Ostdeutchlands aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken ist.

Das liegt- natuürlich- an der Persönlichkeit Frau Thus, die den Club wie keine andere geprägt hat, die praktisch der Club selbst ist. Sie schafft es, sich um sämtliche Problems der Clubesucher gleichzeitig zu kümmern, vermittelt den Eindruck höchstens Engagements, ist warmherzig und charmant – une eine fantastische Köchin! Manchmal glaubt man, sie müsse noch eine Doppelgängerin habe. Wie sonst kann man gleichzeitig Reisen und Ausstellungen organisieren, das umfangreiche Programm des Clubs managen, Feste ausrichten, als Sozialarbeiterin für einzelne kämpfen, bei Behörden und Anwälte dolmetschen, sich bei der Senatsverwaltung um die Weiterexistenz des Vereins kümmern und dann noch für alle dasein und mit Rat und Tat zur Seite stehen? Nicht zu vergessen, dass sie schließlich noch Muße findet, Jäckchen für meine Kinder zu stricken. Eine bemerkenswerte Persönlichkeit also, der sicherlich im Verlauf der Feierlichkeit zurecht größter Dank ausgesprochen werden wird.

Im Laufe der Jahre hat sich meine Arbeit im Club nicht unwesentlich verändert. Waren es anfangs eher aufenthaltsrechtliche Probleme, die ich zu lösen half, werde ich zunehmend zu pratiksche Fragen des (Geschäfts-)Lebens konsultiert. Dankenswerterweise ist in der Politik unlängst erkannt worden, dass die einzig faire Behandlung der ehemaligen DDR-Vertragsarbeiter darin besteht, ihnen die in der DDR verbrachten Jahre anzurechnen, und es außerdem sinnvoller ist, die Intergration der abgelehnten Asylbewerber zu fördern, statt sie über viele Jahre hinweg zu kasernieren und vom Erwerbsleben fernzuhalten. So können die viele Betroffenen endlich ihre Energie auf das eigentliche Leben richten- die Geschäfte, die Aus-und Weiterbildung, ihre Familie. Leider muss ich aber feststellen, dass der Kampf gegen die Bürokratie nach wie vor einen Großteil der Rechtsfragen ausmacht, die an mich herangetragen werden. Vielleicht kann im großen Reformeifer der Regierung auch dieses Problem irgendwann einmal zufreidenstellend gelöst und viele Verwaltungsverfahren vereinfacht werden, die weder Deutschen noch Ausländern cerständlich sind.

Ich möchte auch einige Worte zu meinem persönlichen Verhältnis zum Club zu und zu Frau Thu sagen. Denn der langjährigen Zusammenarbeit habe ich es zu verdanken, daßß ich überhaupt etwas über die vietnamesische Kultur erfahren habe. Das alljährliche Tet-Fest ist sicherlich der Höhepunkt des Clublebens, auch für die vielen Deutschen, die hierzu eingeladen werden, Die interessanten Darbietungen aus Musik und Tanz, die wunderbaren Kostüme geben einen kleinen Einblick in die reiche vietnamesischen Kultur. Nach und nach ist mir auch die Mentalität der Vietnamesen nahegekommen, die zu Anfang bei aller Höflichkeit und Freundlichkeit habe, durch einige von ihnen, zum eispiel Frau Thi oder auch die großeartige und einfühlsamen Dolmetscherin Frau Voigt mehr von Vietnam, seiner Geschichte, Mentalität, Kultur und Sprache erfahren zu können.

Ich freue mich daher auf viele weitere Jahre und hoffe, daßß es weiterhin gelingt, die Finanzierung und demnächst auch die Unterbringung in neuen Räumen zu sichern.

C. Ivanyi

Integrationsarbeit von VINAPHUNU – ASIATICUS

Bereits mit dem Mauerfall kam die Integration der Vietnamesen, im Allgemeinen, und, unabhängig davon, besonders die der vietnamesischen Frauen wegen der kulturellen, geschichtlichen Merkmale ebenso wegen der körperlichen Einschränkungen der Frau an erster Stelle.

Die Einheit Deutschlands führte zu unzähligen Veränderungen, nicht nur für das deutsche Volk, sondern auch für die in Deutschland lebenden Ausländer. In Berlin ist die vietnamesische Gemeinschaft recht groß. Um die Existenz zu halten, gibt es nur die Möglichkeit der Integration in das deutsche Leben und seine Gesellschaft. Aufgrund der Vereinbarung der Arbeitsvertrages zwischen zwei Regierungen wurde früher das Problem der Integration beidseitig, seitens Vietnams wie der ehemaligen DDR, nicht angesprochen.

Zu diesem Zeitpunkt was alles für uns Vietnamesen fremd und unsicher. Viele Begriffe wie die Arbeitslosenunterstützung, die Aufenthaltsgenehmigung mit unterschiedlicher Gültigkeit, die Arbeitsgenehmigung, die Ausländerbehörde etc.. waren vollkommen unbekannt. Dazu kamen die sehr begrenzten Deutschkenntnisse.

Die Voraussetzung, um den Zutritt in eine andere Gesellschaft, in eine andere Kultur zu gewähren, bestand zunächst in der Sprache. Aus der Erkenntnis der tiefen Bedeutung, die deutsche Sprache erlernen zu müssen, öffnete der Club seit fast zehn Jahren mit der Unterstützung von erfahrenen Lehrern verschiedene Deutschkurse, die kostenfrei und kontinuierlich gesteigert worden sind, um unterschiedlichen Zielgruppen entgegenzukommen. Am Anfang und bis heute liegt der Schwerpunkt dieser Aktivität stets in den Deutschkursen für die ehemaligen vietnamesischen Vertragsarbeiterinnen. Mit der Zeit wurden Deutschkurse für Vietnamesinnen, die auf Familienzusammenführung mit Ehemann und Kind in Deutschland eine Existenz aufbauten, erweitert. Um die Trennung zweier Kulturen zu mindern und um sich besser kennenzulernen, nehmen ebenso mit Deutschen verheiratete Vietnamesinnen aktiv am Deutschunterricht teil. Alle Deutschkurse für die Jugendlichen haben ihnen beim Lernen in der Schuld und bei der Vorbereitung auf die Berufs- oder Hochschule sehr helfen können.

Die Rechtsberatung gehört zu einen der Schwerpunkte der Integrationsarbeit. In all den zehn Jahren konnte der Club mit der wöchentlichen Rechtberatung, die ebenso kostenfrei und durch die in ihrem Fach bewanderten Anwälte durchgeführt wird, stets der Aktualität des Zeitpunktes zuvorkommen. Je nachdem, ob das Problem mehr oder weniger angesprochen wird. Was uns Vietnamesen als erstes Sorgen bereitet hat, war die Frage nach der Aufenthaltsgenehmigung, hinzukommend nach der Arbeitsgenehmigung, der Arbeit, der Unterkunft… und nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Nach einer langen Zeit, nachdem sich für viele die Lage gefestigt hat, ist dem gefragtesten Problem der Familienzusammenführung, des Eherechts, des Bürgerrechts, die Einbürgerung … immer rechtzeitig entgegengekommen.

Die Sozialberatung ist eine auffallende Besonderheit der Intergrationsarbeit von VINAPHUNU. Sie SB strebt danach, das Wissen der Frauen zu erhöhen, indem sie alle kulturellen, gesellschaftlichen, politischen, rechtlichen, medizinischen Aktivitäten miteinander verbindet. Mit einem umfangreichen Wissen werden die Frauen sich viel tapferer und selbstsicherer in der Gesellschaft bewegen, Die SB wird zu jeder Zeit und an jedem Ort durchgeführt; in Form eines Gespräches, eines Meinungsaustausches, einer Unterhaltung usw.; die SB vertieft und unterstützt jeden Lebensbereich; Hilfe bei der Arbeit- und Wohnungssuche, Besuch beim Anwalt, beim Sozial- und Arbeitsamt und bei der Elternversammlung; Konflikt am Arbeitsplatz, Organisation zur Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen … Alles dies unabweichlich zu dem Ziele, der in Deutschland lebende vietnamesischen Frau bei der Integration in die Gesellschaft auf dem bestmöglichesten Wegen zu helfen – Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten.

Die Integration in eine andere Kultur gelingt nur dann, wenn die Basis seiner eigenen Kultur in einer Weise bereits vorhanden ist. Nach dieser Erkenntnis veranstaltete der Club seit Jahren, nicht nur mir anderen Organisationen und Vereinen verschiedene Seminare mit Themen wie „Gewalt in der Familie“, „Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt für Migrantinnen in Deutschland“, „ Die Rolle der Integration gegenüber ausländischen Mitbürgerinnen.“… sondern auch Seminare in Form von Gesprächen, Unterhaltungen in jeder möglichen Situation. Um das geistige Leben der Frau zu pflegen, besitzt der Club eine eigene Bibliothek mit tausenden klassifizierten Büchern Zeitungen und Zeitschriften, die stets den Leserinnen aktualisiert vorgestellt werden. Die Traditionellen Tet-Fest-Veranstaltungen; die Vietnam-Tage im Haus der Kulturen der Welt mit Lesungen, Besuche von Kino, Musikfesten, Gemälde-, Foto- und Modeausstellungen etc. haben allmählich das kulturelle Empfinden sowie das Allgemeinwissen der Frau bereichert, um sich in die deutsche Gesellschaft integrieren zu können.

Die Integration drückt sich in vielen gewöhnlichen Merkmalen des Lebens aus, wie das Angeln an einem schönen Tag, die Ausflüge in die Natur, der Besuch des Britzer Gartens, des Botanischen Gartens, des Tierparks, des Besuch der BUGA oder auch das Kaffeekränzchen am späten Nachmittag.

Die Integration in das kulturelle, politische Leben in Berlin: die Teilnahme an der Demonstration gegen Krieg in Kosovo vor der Neuen Wache, an der Mädchendemonstration gegen Mädchenprostitution und sexuellen Missbrauch in Brasilien, am Japan-Festival, an Info ständen in den traditionellen Berliner Tagen gegen Rassismus, Tage für Toleranz und Solidarität… Besuch der Ikebana-Ausstellung im Rahmen der Asien-Pazifik-Woche, einer Gerichtsverhandlung u.v.m. Außerdem arrangiert ASIATICUS – VINAPHUNU Spezialisten, die über ihr Fachgebiet Vorträge halten wie z.B. zur Arbeitsgenehmigung, zum Aufenthalt- und Einbürgerung Gesetz und zum Finanz-Vorsorgungsdienst.

Die Integration kann auf keinen Fall vor der Geschichte Berlins haltmachen: die Rundgänge im alten Stadtteil Berlins, auf dem Alexanderplatz, auf dem Potsdamer Platz mit den architektonischen Werken, auf der Museuminsel von Berlin, in Alt-Spandau, im Märkische Museum, Sanssouci/Potsdam etc. diese Besuche haben die Kenntnisse der Frauen über die Geschichte Berlin und über die Deutschlands im Allgemeinen vertieft.

Die Integration bietet den Frauen ebenso die Möglichkeit, zu verreisen, neben der Aufgabe, Nachbarländer kennenzulernen, sich auch entspannen zu können. Deshalb werden Reisen wie z.B. nach Italien, Spanien, Holland, Frankreich und Österreich immer aktive von Frauen besucht. Die Fahrt zur Weltausstellung EXPO 2000 in Hannover war für die Frauen des VINAPHUNU wie eine kleine Reise rund um die Welt mit vielen interessanten Dingen.

Letztendlich haben in den letzten zehn Jahren unzähligen Frauen, die bereits an verschiedenen Aktivitäten des Clubs wie an Deutschkursen, Handarbeit- und Kochkursen, Seminaren, Gesprächen, Besuchen, Reisen … teilgenommen haben, sich enorm weiterentwickelt und sind auf dem Wege, sich selbst betätigen zu können. Diese Tatsache hat die Bedeutung und die Rolle der Integration genauso wie die Integrationsarbeit von VINAPHUNU bewahrheitet. Nochmals kann man eingestehen, dass die Integration ein vollkommener, kontinuierlicher und endloser Prozess ist.

Ohne die besondere Unterstützung der Senatsverwaltung für Frauen in Berlin in vieler Hinsicht und ohne die von VIA und anderen Vereinen hätte sich die Integrationsarbeit von VINAPHUNU kaum auf eine so wirksame Weise entwickeln können.

Hoai Thu übersetzt von TranV.N.

Zum zehnjährigen Jubiläum von VINAPHUNU

Als ich Thu vor mehr als zehn Jahren kennen lernte, waren wir alle eingebunden in den Kampf für ein Bleiberecht der DDR-Vertragsarbeitnehmer. Es lag uns am Herzen, das uns Mögliche dafür zu tun, dass den Menschen, die im gleichen Land wie wir gelebt und gearbeitet haben, den Weg in ein neue, wenigstens zum Teil selbstbestimmte Zukunft nicht verbaut ist.

Vor allem die jungen Frauen aus Vietnam, die nicht unausgebildet, unqualifiziert oder gar als Analphabeten sondern oft sogar Hochschulabsolventinnen in die damalige DDR kamen, waren voller Hoffnung.

Sicherlich wollten auch einige von ihnen sowohl teilweise der Enge vietnamesischer Familien oder der ihnen trotz eigener unfangreicher Bildung aufgebürdeten traditionellen Zwängen entrinnen. Vor allem aber wollten sie für ihre in Vietnam lebenden Kinder und andere Familienangehörigen einen bescheidenen Wohlstand erarbeiten,

Heute- zehn Jahre nach der Konzipierung von VINAPHUNU, können wir mit Stolz darauf zurückblicken, dass wir gemeinsam zumindest für ein kleine Gruppe von Menschen, vor allem aus Vietnam, einen Teil des damals von vielen als unmöglich Erreichbare- entgegen dem Willen vieler der Regierenden und Verantwortlichen in den Bundesministerien – erkämpft haben.

Daran hat der Verein „Club Asiaticus“, hat VINAPHUNU und vor allem seine Leiterin Frau Thu einen großen Anteil.

Den Vereinsmitgliedern, der Tatkraft seines Vorsitzenden und vieler der dem Multikulturellen Zentrum nahe stehenden Freunden ist es zu verdanken, dass es geglückt ist, wenn auch nur für viel weniger Menschen als wir erhofft hatten, eine Zukunft in Deutschland zu ermöglichen.

Voller Hoffnungen und oft mit Stolz und Begeisterung waren sie in das mit Vietnam befreundete „Bruderland“ DDR gekommen. In unserem damaligen Heimatland, in der zum Ende der DDR, am Jahrwechsel 1989/909 allein über 60000 Vietnamesen lebten, wurden sie allerdings nicht von Menschen mit Freundschaft, Solidarität oder gar Herzenswärme empfangen. Schon seit der 80iger lernten sie auch Missgunst, Neid und Rassismus kennen. Aber weder sie noch wir, konnten uns vor dem Mauerfall vorstellen, welche Ausmasse der Fremdenhass, die Aggressivität gegen andere Menschen in unserem Land immer noch annehmen kann.

Bis auf den heutigen Tag erfüllt mich dieses deutsche Erbe, die Intoleranz und der Rassismus, mit Scham und ich bin voll Bewunderung vor allem für die vietnamesischen Frauen, die die schwierige Zeit bis 1993 und dann noch mal bis 1997, der Anerkennung der DDR-Aufenthaltszeiten, durchgestanden, durchgekämpft haben.

Noch ist nicht für sie alle die Zukunft in Deutschland gesichert – erst recht nicht für die Vietnamesinnen, die nichts als Vertragsarbeitnehmerinnen gekommen sind, sondern aus anderen Gründen ihre vietnamesische Heimat verlassen mussten und hier versuchen wollen, sich ein neues Leben aufzubauen. Auch sie werden mit ihren Hoffnungen und Wünschen nicht allein gelassen, werden tatkräftig vom Club Asiaticus und vor allem vom VINAPHUNU unterstützt, finden dort offene Herzen und Türen: Leider scheitern auch die viel zu oft an der Hartherzigkeit von Sachbearbeitern und dem bürokratischen Dschungel deutscher Gesetze.

Solange frauenspezifische Fluchtgründe nicht als Asylgrund anerkannt und damit auch in Deutschland einen legalen Status ermöglichen, sind es zunehmend osteuropäische und vietnamesische Frauen, sie in unserer Stadt weiterhin in die Illegalität getrieben und dort allen Ausbeutungs- und Unterdrückungsmechanismus unterworfen sind.

Es ist unser aller menschliche Pflicht, vor diesen Tragödien nicht die Augen zu verschließen, sondern alles in unserer Kraft Stehende für die Wartung menschlicher Rechte und weiblicher Würde einzusetzen.

Ich weiß, dass VINAPHUNU sich dieser Pflicht verschrieben und seine ganze Kraft für eine Integration mit menschlichen Zügen, für ein Zusammenleben unter Wahrung der Menschenwürde, für die Gleichberechtigung einsetzt.

Das bedeutet noch viele Jahre Kampf und Arbeit –dafür wünsche ich von ganzem Herzen, allen Mitgliedern, Freunden und Kampfgefährte vom Club Asiaticus auch für die nächsten zehn Jahre weiterhin so viel Erfolg, Mut und Durchsetzungsvermögen wie bisher.

Ginga Eichler